Mehr oder weniger vermeidbar

Krankenhaus-Vortragsreihe: Dr. Peter Hien klärt über Darmkrebs auf

Friedhelm Kalbhenn, der Vorsitzende des Fördervereins, begrüßt Referent Dr. Peter Hien (rechts)
Foto: Sabine Galle-Schäfer

14.02.2018 / ALSFELD - Darmkrebs kommt plötzlich, meist vorher gutartige Polypen, das ist die erschreckende Nachricht, die gute aber ist, dass er meist vermeidbar ist – und zwar zu 90 Prozent. Wie das funktionieren kann, darüber klärte Dr. Peter Hien, Chefarzt der Inneren Abteilung am Alsfelder Kreiskrankenhaus, die Besucher beim jüngsten Vortragsabend auf. Zu dem hatte erneut der Förderverein des Krankenhauses eingeladen und dessen Vorsitzender Friedhelm Kalbhenn kündigte bei der Begrüßung bereits an, dass in den nächsten Monaten weitere interessante Vorträge geplant sind. Am ersten Dienstag im März zum Beispiel geht um das Thema Pflegeversicherung.

60.000 Menschen erkranken im Jahr in der Bundesrepublik an Darmkrebs, 30.000 sterben daran, führte Dr. Peter Hien aus. Doch dazu muss es nicht kommen: „Darmkrebs ist ein Krebs, der mehr oder weniger vermeidbar ist“, so der Experte. „Das größte Risiko ist toxisch“, wenn der Darm zu viele Gifte abbekommen, dann sei er gereizt. Gefährlich: Rauchen und Alkohol, Fleisch und Wurst, wenig Bewegung und wenig Muskulatur. Dr. Hien warb dabei für eine gesunde Ernährung mit viel Gemüse. Und man senkt das Krebsrisiko, wenn man sich viel bewegt (Gerne eine Stunde am Tag), wenn man Muskulatur aufbaut und wenn man nicht übergewichtig ist. „Wenn man das alles beachtet, dann reduziert man das Risiko, Darmpolypen zu bekommen und an Darmkrebs zu erkranken, deutlich“, betonte der Mediziner vor den zahlreichen Zuhörern in den Räumen der Krankenpflegeschule.
Um auch das Restrisiko zu minimieren, seien regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen wie Darmspiegelungen nötig. „Da muss man sich aber schon den ganzen Darm ansehen“, sagte Hien, halbe Spiegelungen oder gar Stuhlteste seien nicht zu empfehlen. Nach fünf bis zehn Jahren sollten die Kontrolluntersuchungen wiederholt werden. Engmaschiger würden Risiko-Patienten überwacht – etwa wenn sich in deren Familien Krebsfälle gehäuft hätten oder man Polypen abtragen musste.

Auch chronische Darmentzündungen – darunter litten ganz viele Raucher – führten zu einem erhöhten Darmkrebsrisiko. Wobei die Entzündungen gut behandelt werden könnten, sodass die Gefahr wieder abnehme. Wenn nun trotz aller Maßnahmen und aller Vorsicht Krebs diagnostiziert wird, dann wird in der Regel lapraskopisch operiert. Das bedeutet: Durch kleine Öffnungen in der Bauchdecke kann mit Hilfe von Spezialgeräten und Kamera der Eingriff vorgenommen werden. Natürlich ist auch eine Nachsorge notwendig, „das Risiko aber, dass dann noch einmal etwa nachkommt, liegt bei 2 bis 25 Prozent“, konnte Dr. Peter Hien seine interessierten Zuhörer beruhigen.

Es sei gut, wenn ein Karzinom so früh wie möglich erkannt werde, dann brauche der Patient keine Chemotherapie. „Chemotherapie ist sehr erfolgreich, hat aber auch starke Nebenwirkungen, daher sind wir alle froh, wenn ein Mensch keine Chemotherapie braucht.“ Und, so Dr. Hien, „auch das unterstreicht noch einmal, wie wichtig die Vorsorge ist“. (pm)+++