Türen für immer geschlossen

Nach 17 Jahren: das war die "allerletzte Party" im Kult-Café Sonne

Gülle und Jens rocken zum letzten Mal die Sonne
Fotos: Martin Engel

12.03.2018 / FULDA - Es sollte eine allerletzte Party werden, die man so schnell nicht vergisst - und die war es in der Nacht von Samstag auf Sonntag auch. Das Tag- und Nachtcafé Sonne ist für immer geschlossen. Ein letztes Mal wurde mit Sunblast Movement bis in die frühen Morgenstunden gefeiert.

Aus Fuldas Kneipenszene bricht ein wichtiger Teil weg, der eigentlich kaum wegzudenken ist. Viele Stammgäste sind traurig. Das alternative Flair und die ehrliche Art der Betreiber Sezgin Gülseren und Jens Diegelmann haben über 17 Jahre lang beim Frühstücken und Mittagessen, bei Weinproben und den teils legendären Partys überzeugt.

Ein Treffpunkt für Menschen aus allen Altergruppen, Schichten und Gesinnungen. Hier haben Soziale Arbeit-Studenten mit Dreadlocks, Geschäftsleute und Familien neben dem Stadtpfarrer Buß gemeinsam zu Mittag gegessen. Legendär ist der "Rotzebecher", ein 0,2 Liter-Gläschen mit frisch gezapftem Hochstift, das auch mal ohne zu fragen ausgeschenkt wurde.

Eigentlich haben sich die beiden auf das Ende dieser Ära und vor allem deutlich weniger Arbeit gefreut, denn selbstständige Gastronomie „ist ein sauhartes Pflaster“, sagt Diegelmann. Viel größer war die Trauer bei den Gästen in den letzten Wochen, die zum letzten Mal die Kult-Kneipe betreten hatten.

Aber als es am Samstagabend dann ernst wurde und tatsächlich die letzten Stunden der Sonne angebrochen waren, wurden auch „Gülle“ und Jens emotional: „So langsam fängt man an, darüber nachzudenken, was einem fehlen wird. In den letzten Wochen war so viel zu erledigen, dass wir kaum Zeit hatten, darüber nachzudenken. Die Sonne, aber vor allem die vielen tollen Gäste werden uns sehr fehlen!“

Das Tag- und Nachtcafé Sonne schließt, weil der Mietvertrag Ende des Monats ausläuft. Am 17. März gibt es noch einen kleinen Flohmarkt, bei dem das Interieur an Liebhaber abgegeben werden soll. (Julius Böhm) +++