Trauer und Betroffenheit

Kardinal Marx, Bischöfe Algermissen und Bätzing zum Tod von Kardinal Lehmann

Kardinal Reinhard Marx trauert um seinen Mitbruder Kardinal Lehmann
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12.03.2018 / REGION - Der Vorsitzende der Deutschen Bischofkonferenz Kardinal Reinhard Marx zum Tod von Kardinal Lehmann:

"Mit großer Betroffenheit und Trauer habe ich die Nachricht vom Tod unseres geschätzten Mitbruders und Freundes, Kardinal Karl Lehmann, aufgenommen. Gott, der Herr über Leben und Tod, hat den treuen Diener zu sich heim gerufen. Im tiefen Glauben an den gnädigen Gott ist er verstorben. Ein großer Theologe, Bischof und Menschenfreund geht von uns. Mit seinem Tod verlieren wir einen warmherzigen und menschlichen Bischof, den eine große Sprachkraft auszeichnete. Ich trauere mit den Gläubigen des Bistums Mainz. Die Kirche in Deutschland verneigt sich vor einer Persönlichkeit, die die katholische Kirche weltweit wesentlich mit geprägt hat.

Die Deutsche Bischofskonferenz ist Karl Lehmann zu großem und weit über seinen Tod hinausreichenden Dank verpflichtet. Weit über zwanzig Jahre hat er die Geschicke der Deutschen Bischofskonferenz als deren Vorsitzender geleitet. Ich erinnere mich gut an unsere ersten Begegnungen, die von Herzlichkeit und Offenheit, vor allem von der Lust an der theologischen Debatte geprägt waren. Kardinal Lehmann hat in der Deutschen Bischofskonferenz Höhen und Tiefen erfahren. Es ging ihm immer wieder um die Frage, wie eine menschendienliche und zugleich traditionsverpflichtete Kirche beschaffen sein sollte. Die persönliche Wertschätzung, die er jedem Gesprächspartner gegenüber zeigte, sein unglaubliches Gedächtnis – Karl Lehmann vergaß nichts – und seine theologische Weite waren glückliche Jahre für unsere Bischofskonferenz. Diesem Erbe sah sich mein Vorgänger, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, und sehe auch ich mich weiterhin verpflichtet. 1993, 1999 und 2005 wurde Karl Lehmann im Amt als Vorsitzender bestätigt, bevor er sich 2008 aus gesundheitlichen Gründen von diesem Amt zurückziehen musste. Es wäre nicht Karl Lehmann gewesen, hätte er dann nicht den Vorsitz der Glaubenskommission unserer Konferenz für mehrere Jahre übernommen.

In die Amtszeit von Kardinal Lehmann fallen so schwierige Momente wie die „Kölner Erklärung“ von 1988, das Ringen um den richtigen Weg in der Schwangerenkonfliktberatung und das Bekanntwerden von Fällen sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche. Besonders glückliche Momente waren für Karl Lehmann die Wiedervereinigung der beiden getrennten Bischofskonferenzen in die erste gesamtdeutsche Bischofskonferenz, die 1991 zusammentrat. Ich denke aber auch an die Apostolische Reise von Papst Johannes Paul II. 1996 nach Paderborn und Berlin, wo Kardinal Lehmann damals den Heiligen Vater beim Gang durch das Brandenburger Tor begleiten konnte und sich so gleichsam die Wiedervereinigung auch für den Papst abschloss. Glückliche Momente durfte Kardinal Lehmann in seinem unermüdlichen Einsatz für ein Gelingen des Weltjugendtags 2005 in Köln spüren, ebenso ein Jahr später, als Benedikt XVI. seine bayerische Heimat besuchte. Die ökumenische Annäherung war ihm ein – theologisches und geistliches – Herzensanliegen. Nicht selten hat er sich dazu in vertraulichen Runden mit den Verantwortlichen der Evangelischen Kirche in Deutschland getroffen. Die Unterzeichnung der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigung 1999 geht wesentlich auf das Verhandlungsgeschick Karl Lehmanns zurück. Den Kontaktgesprächskreis zwischen der Deutschen Bischofskonferenz und der EKD hat er mit Leben und Ideen, Diskussionen und Anregungen gefüllt.

Karl Lehmann blieb Zeit seines Lebens Professor der Theologie. In der Bischofskonferenz konnte er bisweilen längere Ausführungen halten und uns auf den Stand der Forschung bringen. Dankbar denken wir gerade auch an seine umfassenden Grundsatzreferate während unserer Vollversammlungen. Alle wissenschaftlichen Traktate hatten zum Ziel, in Zeiten des Umbruchs wegweisend den Menschen Zuversicht zu schenken. Das hat ihm auch großen Respekt in der Politik und bei vielen gesellschaftlichen Gruppen eingebracht.

Der Verstorbene, 1963 in Rom von Kardinal Julius Döpfner zum Priester geweiht, war stets vom Aufbruch des Zweiten Vatikanischen Konzils geprägt. Als Assistent von Karl Rahner konnte er das Geschehen und das Ringen um Positionen aus nächster Nähe miterleben. Karl Lehmann machte sich zur Lebensaufgabe, das Konzilserbe zu wahren und dafür zu werben. In stürmischen Zeiten stand er fest im Glauben, so wie es sein bischöflicher Wahlspruch ausdrückt, den er mit der Bischofsweihe 1983 annahm: „State in fide - Steht fest im Glauben“ (1 Kor 16, 13). Ja, Karl Lehmann konnte nichts in seinem Glauben erschüttern.

Es dauerte etwas, bis sein vielfältiges römisches Engagement, seine Mitgliedschaft in zahlreichen Dikasterien der Kurie, seine intensive theologische Begleitung ungezählter Bischofssynoden im Vatikan, mit dem Kardinalat 2001 anerkannt wurde. Das sah er als neuen Ansporn für weiteren Einsatz in Rom und in der Weltkirche.

Mit dem Tod von Karl Lehmann verliert die Kirche in Deutschland eine prägende Gestalt und unser Kontinent einen überzeugten Europäer. Gerade in den acht Jahren als Vizepräsident des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen hat sich Kardinal Lehmann für Völkerverständigung und Aussöhnung, Brückenbau und Dialog unermüdlich eingesetzt.

Kardinal Lehmann war ein beeindruckender Mensch und vorbildlicher Geistlicher, dessen Engagement und Arbeit national und international ungezählte Ehrungen erfuhren. Vor allem war Karl Lehmann Priester, Seelsorger und Bischof, ein begnadeter Theologe und ein guter Freund. Die theologische Finesse wird uns ebenso fehlen, wie seine kantigen Wortmeldungen. Karl Lehmann war ein katholischer Weltbürger, auskunftsfähig zu allen Themen der Zeit. Wir trauern um einen großartigen Menschen, eine wegweisende Persönlichkeit und einen gläubigen Katholiken, der sein Leben ganz nach Gottes Plan für ihn lebte und sich hingebungsvoll dem Auftrag Christi und seiner Botschaft gewidmet hat.
In stiller Trauer verneige ich mich vor einem Freund, einem Mitbruder, der uns allen Orientierung gegeben hat." (pm)

Nachruf zum Tod von Karl Kardinal Lehmann von Bischof Heinz Josef Algermissen

" Am frühen Morgen des 4. Fastensonntags starb Kardinal Karl Lehmann, seit 1983 als 87. Nachfolger des Hl. Bonifatius Bischof von Mainz und von 1987 bis 2008 Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz.    Am Samstagmorgen noch hatte ich bei der Messfeier im Rahmen der Vollversammlung des Fuldaer   Katholikenrates für ihn gebetet, der "auf dem Weg in die ewige Heimat"  sei. Nun hat er am Ende seine Vollendung und Teilhabe am ewigen Osterfest gefunden.    Die  22 Jahre, da ich Bischof bin, besonders die letzten 17 Jahre als Bischof von Fulda, haben wir einander begleitet und je Anteil genommen.  Fulda als Stadt des Hl. Bonifatius  war ihm immer besonders nahe. So nehme ich in stiller Mittrauer Anteil am Tod eines lieben Weggefährten.           

Auch wenn es oft geschichtliche Umbrüche sind, die kirchlich und gesellschaftlich eine neue Zeit heraufführen, so braucht es doch Menschen, die einen epochalen Wandel begleiten und gestalten.  Kardinal Lehmann war für mich ein Brückenbauer in einer Zeit des Übergangs. " Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird " , diese zentrale Botschaft aus dem Evangelium seines Todestages ( Joh 3,17) hat der verstorbene Kardinal Zeit seines Lebens vermittelt." + Heinz Josef Algermissen,  Bischof von Fulda

 
Bischof Georg Bätzing zum Tod von Karl Kardinal Lehmann: Trauer um einen großen Brückenbauer
 
Das Bistum Limburg trauert um Karl Kardinal Lehmann. Der langjährige Bischof von Mainz und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz starb am Sonntag, 11. März 2018, im Alter von 82 Jahren in Mainz. Bischof Dr. Georg Bätzing würdigt Lehmann als einen Mann des Dialogs, dem die Verbundenheit mit den Menschen ein Herzensanliegen gewesen sei. „Durch sein theologisches Arbeiten, seine Predigten und durch seine pastorale Art wollte er die Menschen als Gläubige mit der Kirche verbinden“, sagt der Bischof von Limburg. Lehmann habe immer wieder Kontaktpunkte zwischen Kirche und Gesellschaft gesucht. Er sei für Wissenschaftler, Politiker und Vertreter aus Wirtschaft und Arbeitswelt ein gesuchter Gesprächspartner gewesen, weil er die gemeinsamen Anliegen zur Sprache bringen und durch sachgerechte Diskussionen vermitteln konnte. Zudem sei Lehmann ein humorvoller, freundlicher und zugewandter Mensch gewesen. 

Jahrzehntelanges Engagement für die Ökumene

Lehmann habe sich immer für die Ökumene eingesetzt. Grundlage dafür sei seine durch und durch katholische Prägung gewesen. „Wenn wir heute sagen, uns verbindet viel mehr als uns trennt, dann ist das nicht zuletzt Frucht des jahrzehntelangen ökumenischen Dialogs, für den sich Kardinal Lehmann kontinuierlich im Gesprächskreis von katholischen und evangelischen Theologen einsetzte“, so Bätzing. Es sei ihm immer ein großes Anliegen gewesen die Gemeinsamkeiten im Glauben zwischen Katholiken und Protestanten hervorzuheben und deutlich herauszustellen.

Bischof Georg Bätzing lernte Lehmann im Herbst 1982 in Freiburg kennen. Damals hatte er sich bereits durch seine überzeugende Mitarbeit bei der Würzburger Synode einen Namen gemacht. „Es war nicht zuletzt der Name Karl Lehmann, der mich reizte, mein Außenstudium an der Freiburger Universität zu verbringen“, erinnert sich Bätzing. Es sei dann ein auch noch ein glücklicher Zufall gewesen, dass er am Ende des Sommersemesters 1983 die freudige Nachricht von der Berufung des Professors auf den Mainzer Bischofsstuhl miterleben konnte. Seit dieser Zeit habe es immer wieder Begegnungen gegeben. Einige Wochen nach seiner Bischofsweihe im September 2016 habe Bätzing seinen Mitbruder in Mainz besucht. Es sei ein herzlicher Empfang und eine offene Gesprächssituation gewesen. „Die katholische Kirche in Deutschland verliert mit ihm einen ganz großen Brückenbauer. Die Brücken, die er geschlagen hat, sind solide und können weiter gefestigt werden“, sagt Bätzing.


Zum Tod von Karl Kardinal Lehmann vom Würzburger Diözesanadministrator Weihbischof Ulrich Boom

"Die Diözese Würzburg trauert um den verstorbenen Karl Kardinal Lehmann. Der Nachbardiözese Mainz übermittelt sie die aufrichtige Anteilnahme und das Gebet für den verstorbenen Kardinal und emeritierten Bischof von Mainz.

Karl Lehmann war mit dem Nachbarbistum Würzburg eng verbunden. Als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz von 1987 bis 2008 leitete er mehrmals im Jahr die Sitzungen des Ständigen Rats der Deutschen Bischofskonferenz im Exerzitienhaus Himmelspforten. Sein Abschiedsgottesdienst als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz fand im Februar 2008 im Würzburger Kiliansdom statt. Damals lobte er das Bistum Würzburg: „Würzburg ist eine gute Stätte und eine Heimat für die Kirche unseres Landes.“ Mit der unterfränkischen Bischofsstadt verband Kardinal Lehmann eng die von 1971 bis 1975 in Würzburg tagende Gemeinsame Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland, an der er selbst teilnahm. In Erinnerung an die „Würzburger Synode“ würdigte er bei der Feier zum 30. Jahrestag des Abschlusses der Synode im Würzburger Kiliansdom die Qualität des Miteinanders von Bischöfen, Priestern, Laien und Ordensleuten bei der Kirchenversammlung. Alle hätten gelernt, aufeinander zuzugehen und aufeinander zu hören. „Wir haben miteinander gerungen und uns bemüht, das Körnchen Wahrheit beim Anderen zu entdecken. Wir durften erfahren, dass der Geist Gottes in der Kirche wirkt“, sagte damals Kardinal Lehmann.

Persönlich verbunden war Kardinal Lehmann „in großer Verehrung und tiefer Dankbarkeit“ mit Julius Kardinal Döpfner, dem früheren Bischof von Würzburg. Döpfner weihte ihn 1963 in Rom zum Priester. An der Seite Döpfners engagierte sich Lehmann vor allem in den Jahren 1969 bis 1976. Später arbeiteten die Bischöfe Dr. Paul-Werner Scheele und Dr. Friedhelm Hofmann mit Kardinal Lehmann in der Bischofskonferenz zusammen. Mit Bischof Scheele engagierte sich Kardinal Lehmann jahrzehntelang in der Ökumene und hier vor allem im Einsatz für die gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre.

Mit dem Tod von Kardinal Lehmann verliert die Kirche einen bedeutenden Theologen, unermüdlichen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz und leidenschaftlichen Brückenbauer zwischen Kirche und Welt. Karl Lehmann hat sein Bischofswort „Steht fest im Glauben“ als Theologe und Seelsorger eingelöst. Möge ihm Gott jetzt seinen Einsatz und sein Mühen für die Kirche in Mainz und in Deutschland sowie für die ganze Weltkirche vergelten."

Ulrich Boom, Weihbischof und Diözesanadministrator.+++