St. Paulus-Kirche

Ein Erfolg: Konzert "Funeralissiomo - Trauermusik verschiedener Kulturen"

"Funeralissiomo - Trauermusik verschiedener Kulturen"
Fotos: Silvia Hillenbrand

13.03.2018 / FULDA - „Trauermusik in verschiedenen Kulturen ist mitunter wehmütig, nie verzweifelt und manchmal überraschend fröhlich.“ Mit dieser Aussage der Interpreten TwoWell mit Zdravko Živkovides Benefizkonzertes konnte die stellvertretende Vorsitzende des Hospiz-Fördervereins, Silvia Hillenbrand, viele Gäste zu einem besonderen Konzert in der St. Paulus-Kirche in Fulda begrüßen. Sie bezeichnete Musik als die Ursprache der Menschheit und zog daher den Schluss, dass von allen Künsten die Musik eine herausragende Rolle in der Sterbe- und Trauerbegleitung spiele, weil damit tiefste Gefühle des Gemütes geweckt würden und zur Trauerbewältigung beitragen könne.

Two Well, das sind Matthias und Maria Well, Kinder aus der bekannten bayerischen Musikfamilie, die ihr musikalisches Talent sicher schon in die Wiege gelegt bekamen, aber es längst durch ein klassisches Musikstudium und entsprechende Meisterkurse zu erfolgreichen Profimusiker gebracht haben. Sie verstehen es hervorragend, ihren Instrumenten Geige und Cello dem Thema angepasste Stimmungen zu entlocken. Der Akkordeonspieler Zdravko Živkovi vervollständigt das Trio, welches mit Hingabe die musikalische Hommage an die Trauermusik verschiedener Kulturen vorträgt.

Gleich zu Beginn erlebt das Publikum ein Aha – Erlebnis. Maria Well kündigt in ihrer unverwechselbaren „urbayerischen Heimatsprache“ an, dass sie und ihr Bruder das erste Stück, „Passacaglia“ nach Georg Friedrich Händel´s Suite Nr. 7, vor einigen Jahren in Fulda beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ gespielt hätten. Mit diesem Einstieg gewinnt sie die Herzen der Fuldaer.

Der Geiger Matthias Well, der mit seinem kreativen Konzept „Funeralissimo, Trauermusik verschiedener Kulturen“ in 2017 den Fanny Mendelsohn Preis erhalten hatte, führt durch das Programm und erzählt die Geschichte der früheren „Trauergeiger“, die er familiär noch selber erlebt hat. Bestattungs- und Trauerrituale der verschiedenen Länder lässt er wach werden, bevor diese für den Zuhörer musikalisch lebendig werden. Große und kleine Emotionen, wie tiefe Trauer, aber auch Zuversicht und Optimismus, mal melancholisch, mal zärtlich bis fröhlich, mal empfindsam und mal mitfühlend, so kann Trauermusik klingen. Die Musikstücke kommen beispielsweise aus Irland „Londonderry air“, Schottland, Italien „Aria di chiesa“ , aus dem Balkanraum „Turceasca“, aus Georgien „Suliko“ bis hin zu „Oblivion“ von Astor Piazolla aus Argentinien. Nicht fehlen darf der Allerseelen Jodler aus Bayern und das deutsche Volkslied „Dort oben vor der Himmlischen Tür“.

Well berichtet von so manchem Totenritual, wie z. B. das Klatschen der Trauernden in Italien, mit welchem dem Toten die letzte Ehre erwiesen wird oder auch, dass man in Ungarn früher die eigenen Kleider zerrissen habe. Anschaulich präsentiert er die indische Improvisation „Raga“, die er ganz in der Tradition im Schneidersitz sitzend spielt. Dabei gibt es nur zwei ausdrucksstarke Haupttöne, auf denen die Melodiefolgen beginnen und enden und sehr melodisch klingen.

Das Publikum erlebt im Spiel der drei Musiker eine große Harmonie und zeigt seine Begeisterung mit stehenden Ovationen. Michael Brand übernimmt diesen Dank an die Musiker: „Sie haben mit ihren Klängen Erinnerungen an die Menschen geweckt, die wir verloren haben oder aber nicht loslassen wollen.“ Er hob als bemerkenswert hervor, dass sich gerade junge Musiker mit diesem ernsten Thema der Trauerkultur befassen. Und er erinnert daran, dass der Erlös des Konzertes der hospizlichen Arbeit in der osthessischen Region zu Gute kommt.

Natürlich darf die Zugabe nicht fehlen. Besonders beeindruckt hier das sogenannte „Bogenstück für Violine und kaputten Bogen“. Dafür hat Matthias Well die Haare aus dem Frosch gelöst, über die Geige gespannt und konnte so alle vier Saiten gleichzeitig bespielen. (pm) +++