Kindesmissbrauch in Sterbfritz

Sporttrainer (46) wegen 330 Taten angeklagt - Kinder mussten sich ausziehen

In der Sportfabrik in Sinntal-Sterbfritz soll der Tatverdächtige Schutzbefohlene missbraucht haben
Archivfoto: Carina Jirsch

22.06.2018 / SINNTAL - Im Februar dieses Jahres nahm die Staatsanwaltschaft Hanau die Ermittlungen gegen einen 46-jährigen Sinntaler, wegen dem Verdacht des Missbrauchs von Schutzbefohlenen, auf. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe tauchte der Mann unter. Daraufhin wurde er mit Haftbefehl gesucht. Rund vier Wochen später konnte ihn die Polizei am 20. März auf einem Parkplatz der Autobahn 27 zwischen Bremerhaven und Cuxhaven festnehmen. Nun hat die Staatsanwaltschaft eine umfangreiche Anklage gegen den Sinntaler erhoben. Ihm werden insgesamt 330 Handlungen, "hauptsächlich sexueller Missbrauch unter Ausnutzung eines Behandlungsverhältnisses, sexueller Missbrauch von Kindern sowie einfache und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen", erklärte Oberstaatsanwalt Dominik Mies auf Nachfrage von OSTHESSEN|NEWS.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft übernahm der Angeklagte im Jahr 2011 ein Sportstudio im Sinntaler Ortsteil Sterbfritz. In der "Sportfabrik", wie er das Sportstudio nannte, trainierte er hauptsächlich Kinder und Jugendliche in Kampfsportarten. Zusätzlich fungierte er als Sporttherapeut und nahm physiotherapeutische Behandlungen vor. "Bei diesen Behandlungen soll es zu einer Vielzahl körperlicher und sexuell motivierter Übergriffe des Angeklagten auf männliche Kinder, Jugendliche, Heranwachsende und junge Erwachsene im Alter von acht bis 21 Jahren gekommen sein", so Mies. Des weiteren wird ihm vorgeworfen, im Rahmen von Einzelbehandlungen männliche Jugendliche dazu veranlasst zu haben, sich vollständig zu entkleiden. "Er soll dann über das Maß der Behandlung hinaus an den Geschlechtsteilen der Jugendlichen manipuliert zu haben."

Tritte und Schläge während Gruppentraining

Laut Anklagebehörde soll er Kinder, Jugendliche, Heranwachsende und junge Erwachsene unter dem Vorwand, sie für ein vermeintliches Fehlverhalten bestrafen zu müssen, dazu gezwungen haben, sich vollständig zu entkleiden und sie "mit der flachen Hand oder einem Holzstock auf das entblößte Gesäß geschlagen zu haben". Doch nicht nur in Einzelstunden soll er Kinder belästigt haben, auch in den Gruppentrainings kam es häufig zu Übergriffen in Form von Tritten und Schlägen. "Wir gehen davon aus, dass die Gerichtsverhandlung noch in diesem Jahr stattfinden wird", sagt Oberstaatsanwalt Mies. Die Anklage gegen den 46-Jährigen wurde von der Staatsanwaltschaft Hanau zum Landgericht Hanau, Jugendschutzkammer, erhoben. (Nina Bastian) +++