Zertifikat: Dark-Sky-Community

Vorreiter gegen Lichtverschmutzung - Erste Sternenstadt Deutschlands

Auch der Fuldaer Dom soll mit einem neuen Lichtsystem ausgeleuchtet werden, das punktgenau die Silhouette, aber nichts darüberhinaus anstrahlen soll
Foto: Christian Tech

13.02.2019 / FULDA - Die Sensation, die Oberbürgermeister Heiko Wingenfeld am heutigen Dienstag Fulda und dem Rest der Welt verkündete, ist eigentlich schon ein alter Hut: die Ausszeichnung als erste Sternenstadt Deutschlands erfuhr am 3. Februar bereits ganz exklusiv die Sickelser Bürgerfastnacht. Stolz präsentierten OB, Stadtbaurat und Bürgermeister dort die internationale Auszeichnung der in den USA ansässigen International Dark-Sky-Association (IDA), die im Dezember 2017 erfolgte Bewerbung der Stadt um den Status Dark-Sky-Community positiv beschieden hatte. Den offiziellen Teil holte die Stadt heute in einer Pressekonfrerenz mit allen beteilgten Akteuren nach.

"Wir zeigen damit, dass man Urbanität, Ökologie und Nachhaltigkeit in Einklang bringen kann", betonte Wingenfeld. Weltweit ist Fulda nun die zweitgrößte Stadt, die diesen Status erhalten hat, und in Europa ist die Stadt die größte unter insgesamt fünf Kommunen. Damit wird der verstärkte Kampf gegen Lichtverschmutzung ausgezeichnet. "Ein großer Teil der Lichtverschmutzung ist vermeidbar, und wir wollen mit intelligenten Lösungen als Vorbild für andere Kommunen vorangehen", erklärte der OB die künftige Vorreiterrolle Fuldas. Als Umweltdezernent der Stadt berichtete Stadtbaurat Daniel Schreiner über die bisher unternommenen Anstrengungen auf dem Weg zur Sternenstadt: „Die Bewerbung war durchaus ein Kraftakt, und ich bin froh, dass sie zum Erfolg geführt hat." 

"Keine Angst: es gehen nicht die Lichter aus!"

Schreiner betonte, dass niemand Angst davor haben müsse, künftig in der Barockstadt nachts im Stockdunklen zu stehen. Es gehe vielmehr darum, die neuen Lichtquellen zielgerichtet und in der richtigen Farbgebung einzusetzen. "Zu viel und vor allem falsch gerichtetes Licht in kalten Lichtfarben beeinträchtigt nachweislich das Leben vieler nachtaktiver Arten, stört Pflanzen und belastet die Gesundheit der Menschen."  Dabei sei es leicht möglich, künstliches Licht standort- und bedarfsgerecht einzusetzen. "So kann man Lichtverschmutzung vermeiden, Kosten senken und durch Energieeinsparung einen Beitrag zum Klimaschutz leisten."

Bei der Umrüstung der Straßenbeleuchtung auf diese Anforderungen kooperiert die Stadt mit dem kommunalen Energieversorger, der RhönEnergie Fulda-Gruppe mit ihrem Tochterunternehmen OsthessenNetz. OsthessenNetz-Geschäftsführer Matthias Hahner erklärte: „Immer mehr Menschen erkennen und fordern einen verantwortungsvolleren Umgang mit Licht. Doch als wir vor ca. 20 Jahren damit begannen, die überall verbreiteten Quecksilberdampflampen durch insektenfreundliche Natriumdampflampen auszutauschen, waren wir damit noch Umwelt-Pioniere.“ So seien schon mehr als 500 Altstadtleuchten auf umweltfreundliche LED-Leuchten umgerüstet worden. In der Zeit zwischen 22.30 und 5.30 Uhr werden sie um 50 Prozent gedimmt, was jährlich rund 80.000 kWh pro Jahr einspart. 

Umrüsten auf freiwilliger Basis

Den Gewerbetreibenden und privaten Haushalten will die Stadtverwaltung mit einer eigens dafür erarbeiteten Richtlinie Hilfestellung geben, um eine energiesparende, klimafreundliche Lichtoptimierung zu initiieren. Dabei liege der Fokus auf Freiwilligkeit, entsprechender Beratung und Sensibilisierung für dieses wichtige Umweltthema.

Fuldas Auszeichnung als „Sternenstadt“ bildet das urbane Pendant zum bestehenden ländlichen Sternenpark – „eine in dieser Kombination weltweit einmalige Konstellation“, betonten Torsten Raab von der hessischen Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats Rhön und Sternenpark-Koordinatorin Sabine Frank. Sie ergänzten: „Aufgrund der großen Streuwirkung des Lichts profitiert auch der Sternenhimmel der Rhön von den Bemühungen der Stadt.“ Auch touristisch könnten beide Projekte sich gegenseitig befruchten. Schon jetzt gebe es in der Stadt astronomische Sternenstadtspaziergänge, die auch die Aspekte der Lichtverschmutzung thematisieren. (pm/ci)

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